Städtepartnerschaft mit Castelnau de Médoc
Die Freundschaft wuchs trotz der Entfernung
Was am Freitag, dem 13. Juli 1973, mit der Unterzeichnung der Partnerschaftsur-kunden (Serment de Jumelage - Verbrüderungseid) durch die Bürgermeister beider Kommunen, Günter Kuhfittig für die Stadt Bad Sachsa und Guy Coubris für die Gemeinde Castelnau de Médoc, offiziell begann, war vom Rat der Stadt Bad Sachsa einstimmig am 22. Januar 1973 beschlossen worden. Ein denkwürdiger Tag nicht nur für diese Städtepartnerschaft.
Es war auch der 10. Jahrestag des "Deutsch-Französischen Freundschaftsvertrages", der vom Präsidenten der Französischen Republik, Charles de Gaule, und vom Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland, Konrad Adenauer, im Pariser Elysée-Palast 1963 geschlossen wurde.
Städtepartnerschaften leisten einen wichtigen Beitrag zu Frieden und Freundschaft in Europa; mehr als 1.500 zwischen deutschen und französischen Gemeinden liefern einen lebendigen Beweis für die enge Partnerschaft beider Länder. Die ursprüngliche Idee, nach dem 2. Weltkrieg durch Annäherung auf kommunaler Ebene zur Versöhnung in Europa beizutragen, drückt sich auch in den Worten von Jean Monnet, einem der Gründerväter der Europäischen Gemeinschaft aus: "Wir führen nicht Staaten zusammen, sondern Menschen."
Dass es nun gerade ein französischer, auf dem Stöberhai im Harz stationierter Soldat war, der 1972 beim Rat der Stadt Bad Sachsa vorstellig wurde und das hiesige Interesse an einer Städtepartnerschaft geweckt hat, um mit dem Bürgermeister seiner Heimatgemeinde Castelnau de Médoc Kontakt aufzunehmen, sprach für den Wunsch der Menschen, ein Klima des Verstehens und der Freundschaft zu bilden.
Die Schaffung des Europäischen Binnenmarktes 1993 und die Einführung des Euros im Jahre 2002 haben eine neue Dynamik und Möglichkeiten eröffnet, die man sich auch hier 1973 nicht vorstellen konnte.
Das "Europäische Haus"
Mit dem "Bau des Hauses Europa" haben sich die Partnerstädte Bad Sachsa und Castelnau de Médoc schon recht früh befasst. Ein ehemaliges Schulgebäude, baufällig und renovierungsbedürftig, wurde von beiden Kommunen und den gleich zu Beginn der Städtepartnerschaft gegründeten Partnerschaftskomitees als stets verbesserungswürdiges Langzeitprojekt betrachtet. Getragen von der Motivation, ein Stück Zukunft in einem gemeinsamen Europa aufzubauen, "zwang" die Idee, sich immer wieder neu der partnerschaftlichen Beziehungen zu erinnern und ihre Entwicklung voranzutreiben. In zahlreichen deutsch-französischen Handwerkereinsätzen wurde mit dem "Partnerschaftshaus" ("Maison de l’Europe") ein Ort für viele Jugend- und Erwachsenenreisen, Sport- und Vereinsaktivitäten sowie private Ferienaufenthalte in Frankreich geschaffen. Für die jahrelang vom Deutsch-Französischen Jugendwerk geförderten Jugendfahrten war das Haus mehr als eine Unterkunft, es wurde zu einer Begegnungsstätte.
Bei der offiziellen Einweihung am 25. September 1976 würdigte der deutsche Konsul für Südwest-Frankreich, Herr Berger aus Bordeaux, dieses "Gemeinschaftswerk als sichtbares Zeichen der Freundschaft über Grenzen hinweg". Es ist dem ehrenamtlichen Einsatz von Idealisten zu verdanken, dass sich dieses Haus in der heutigen Form und Ausstattung präsentiert. 3.000 km Hin- und Rückreise haben sie nicht daran gehindert, ein Werk zu vollenden, das, soweit wir wissen, in Europa einmalig ist. Im Sinne freundschaftlicher Verbundenheit soll dabei auch so manches deutsche Bier- und französische Rotweinfass geleert worden sein.
Die Ehrenfahne des Europarates
All diese Aktivitäten, die es noch seitenweise zu schildern gäbe, müssen wohl der Grund dafür gewesen sein, dass der Stadt Bad Sachsa eine besondere Ehre zuteil wurde. Der Ausschuss für Umwelt, Raumordnung und Kommunalfragen der Parlamentarischen Versammlung des Europarates beschloss auf seiner Sitzung vom 11. März 1988, der Stadt Bad Sachsa die Ehrenfahne des Europarates zu verleihen. Der Ausschuss vergibt diese Auszeichnung an solche Gemeinden, die sich besondere Verdienste um die Verbreitung des europäischen Gedankens erworben haben.
Im diesbezüglichen Glückwunschschreiben des Rates der Gemeinden Europas hieß es im August 1988: "Nur im Rahmen der kommunalen Partnerschaften wird Europa für den Bürger konkret erfahrbar, bildet sich europäisches Bewusstsein und die Bereitschaft zugunsten europäischer Lösungen, auch eigene Opfer zu akzeptieren. Die Mitglieder des Ausschusses haben Ihre partnerschaftlichen Aktivitäten im Sinne der Statuten als hervorragende Leistungen für die Verbreitung des europäischen Einigungsgedankens bewertet."
Ein schöneres "Geburtstagsgeschenk zum 15-jährigen", das innerhalb der Festwoche zur 750-Jahr-Feier der Stadt begangen wurde, konnte man sich nicht wünschen. Im Anschluss an die feierliche Verleihung wurde am 22. September 1988 der "Platz der Partnerschaft" offiziell eingeweiht. Dieser Boule(spiel)platz mit Grünanlage bietet die Möglichkeit, den französischen Nationalsport kennen- und lieben zu lernen.



